Geschichte des Stöppel-Hauses

Wie’s früher war am Kirchplatz

Eine kleine Häusergeschichte über fünf Jahrhunderte

Hätten wir ein Bild vom Kirchplatz des Mittelalters, wir würden daraus nicht erkennen, dass es einen Teil der Stadt Weilheim zeigt. Die Stadtpfarrkirche war bedeutend kleiner als jetzt. Ihr Turm zeigte mit einem gotischen Spitzdach in den Himmel. Nordwestlich davon mag sich „der Platz“ in einer ähnlichen Größe ausgedehnt haben, wie es heute noch der Marienplatz tut.

Historische Ansicht des Krchplatzes in Weilheim
Der Kirchplatz mit Denkmal um 1850

Sonst aber? Folgen wir mit unserer Vorstellungskraft dem Chronisten Andreas Schmidtner: „Um die Liebfrauen- oder Stadtpfarrkirche herum befand sich gemäß früher christlicher Gewohnheit der Friedhof oder Gottesacker.

An der Südseite wurde der Raum, welcher zwischen ihr und dem (offenen) Stadtbach lag sehr geschmälert, weil parallel mit der jetzigen Stadtpfarrkirche, nur etwa 25 Fuß von ihr getrennt, um 1360 das Heilig-Geist-Spital nebst einem eigenen Gotteshause von dem Münchner Patrizier Ludwig Pütrich erbaut wurde. 1367 wurde ostwärts (also gegen die heutige Apothekergasse zu) der Spitalfriedhof angeschlossen.

Den jetzigen Häusern Stöppel und Schowalter gegenüber, nur durch Bach und schmale Gasse getrennt, stand also das Spitalgebäude. Wir dürfen uns darunter keineswegs ein großes Haus vorstellen; es bot zwölf Pfründnern Platz, von denen beileibe nicht jeder sein eigenen musste, dass – wie er an den Rat der Stadt Weilheim schrieb – das Spital zu Weilheim „das die Pütrich gestiftet haben, in Unberühmtheit stehe und nicht besorgt sei“. Zu den 40 Anwesen, die es im Landgericht Weilheim innehatte, gehörte auch der riesige Gutshof innerhalb der Stadt, von dessen Lage Andreas Schmidtner berichtet: „Der spitalische Bauhof hatte eine sehr große Ausdehnung; er erstreckte sich nämlich vom nordöstlichen Eckhaus an der Pöltnergasse, den Stadtbach von Westen nach Osten fortlaufend, bis zur nordwestlichen Ecke der Hofgasse und von da südwärts hinein bis zum Mesnerhaus“.

Allzuviel hat sich über vier Jahrhunderte hinweg an den Spitalbauten nicht verändert. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts aber wurden nicht nur die Klöster säkularisiert, auch die Stiftungen wurden – wenn auch nur vorübergehend – aufgehoben. So mussten 1805 die Gebäude des Spitalbauhofes zum Verkauf angeboten werden; dies hat zu einer Zertrümmerung des Grundstückes geführt, und auf diesen kleinen Parzellen entstand dann die Häuserfront am Kirchplatz, wie wir sie heute kennen. Das heutige Stöppel-Eckhaus wurde zunächst Schulgebäude, bis 1864 an Stelle des jetzigen Landratsamtes ein neues Schulhaus errichtet wurde.

Wenden wir uns noch einmal dem Kirchplatz zu: 1826 wurden die Spitalgebäude mitsamt dem Kirchlein abgebrochen. Der Platz konnte eingeebnet und als „Englischer Garten“ gestaltet werden. 1834 erhielt er ein „pyramidales Monument“ zur Erinnerung an die in den napoleonischen Kriegen gefallenen Soldaten. 1853 kam ein Säulengedenkstein hinzu mit der Inschrift „Stelle der Spitalkirche und des Spitals 1367 bis 1825“. Der Stadtbach floss immer noch offen zwischen Häusern und „Englischem Garten“ dahin. Das Eckhaus, Nummer 70, wurde zur Pöltner Gasse gerechnet und gehörte dem Kürschner Sebastian Weckerlein, wobei in Klammern vermerkt ist: Altes Schulhaus bis 1864. Das Haus Pöltner Straße 1 umfasst in seiner Geschichte auch unter dem Namen Stöppel eine geraume Zeit:

Am 6. Juli 1953 übernahm Markus Stöppel die Buchhandlung. Haus und Geschäft gingen am 1. Januar 1973 an dessen Sohn, Erich Stöppel über.

So sah das Stöppel-Haus vor der Renovierung aus
Vor dem ersten großen Umbau 1973

Im gleichen Jahre weitete ein erster großer Umbau die Ladenräume auf das ganze Erdgeschoss und einen Teil des Kellers aus. Mit der Erweiterung auf den ersten Stock in den Jahren 1977/78 kam die Spielwarenabteilung dazu.

Mit den jetzigen Geschäftsräumen, die sich über drei Stockwerke in zwei Häusern ausdehnen, hat die Buchhandlung Stöppel Räume geschaffen, in denen dem großen Kundenstamm aus der Stadt und dem weiten Land zwischen Alpenrand und Seen, von der Loisach bis zum Lech ein reichhaltiges Angebot übersichtlich zur Verfügung gestellt werden kann. Geschichte und Gegenwart, Tradition und Aktualität, Freude an Büchern und auch ein Dienst an unseren kleinsten Kunden, den Kindern – mögen sie hier nicht nur Geschäftsräume entstanden haben lassen, sondern Stätten kultureller und menschlicher Begegnung!

Text: Christian Buck

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